Berlin

Ich bin ein Berliner. Und das schon mein Leben lang. Naja, es gab da diese kleine Brandenburg-Episode aber ich schweife ab.

Es ist jetzt nicht so, dass ich die ganze Zeit nur in Berlin versauert wäre. Ein wenig bin ich schon herum gekommen in der Weltgeschichte. Beispielsweise habe ich Osaka, Paris, Atlanta, New York und Schanghai gesehen, habe ein halbes Jahr in Oslo gelebt und bin mit einem guten Freund fast jedes Jahr in einer anderen europäischen Großstadt zu Besuch gewesen.

Und ich wohne immer noch in Berlin.

Ehrlich gesagt will ich hier auch gar nicht mehr weg. Meine Geschichtslehrerin am Gymnasium hat Berlin immer als Ansammlung von Dörfern bezeichnet, dessen Einwohner selten die Bezirksgrenzen übertreten. Ich sage nicht, dass das falsch ist. Es gibt nur einfach keinen Grund Berlin zu verlassen. Jeder S-Bahndamm hier hat mehr grün als ganz Schanghai (jetzt mal den einen zentralen Park ignorierend). Man kann jeden Tag die Sau raus lassen und trotzdem eine Wohnung in einer ruhigen Wohngegend haben. Der Nahverkehr ist ein Traum (wenn nicht wieder mal gestreikt wird).

Berlin ist also schön: q.e.d. Und trotzdem hat es einen miesen Ruf. Ich frage mich langsam ernsthaft warum. Auch ehemalige Nicht-Berliner die ich kenne können mir das nicht wirklich plausibel erklären. Ist es das Wetter das sich nicht zwischen Kontinental- und Seeklima entscheiden kann? Die angebliche Provinzialität? Die unfreundlichen Taxifahrer? Die misslungenen Imagekampagnen der Stadt?

Was es auch immer ist, ich habe es noch nicht bemerkt. Und vielleicht ist es ja auch besser so. Rein praktisch gesehen. Wer möchte schon in einer Stadt leben, die man nicht leiden kann.