Ich habe mich eigentlich bisher standhaft geweigert, hier die massiven Fahrzeugausfälle bei der Berliner S-Bahn zu kommentieren.
Nachdem man nach einem Unfall festgestellt hatte, dass die Radscheiben der neuesten Fahrzeugreihe leider dazu neigen zu brechen musste Ende Juli fast die komplette Flotte stillgelegt werden. Ein Notfallfahrplan mit den älteren Fahrzeugreihen wurde aufgelegt. Strecken wurden geschlossen, Ersatzverkehre eingerichtet. Die Werkstätten haben rund um die Uhr gearbeitet und nach und nach normalisierte sich der Betrieb wieder. Wobei “normal” Definitionssache ist. Jetzt nach dem Ende der Sommerferien standen wohl wieder so um die 60% aller Züge zur Verfügung. Damit waren die Bahnen zwar unheimlich voll und eng, aber sie fuhren.
Am meisten verärgert hatte mich, dass der Fehler wohl schon vor ein paar Jahren entdeckt aber vertuscht worden ist. Vermutlich um den Börsengang der Bahn nicht zu gefährden. Die Auswirkungen wurden durch das jahrelange Warten sicher nicht besser. Und den Hersteller kann man auch nicht weiter belangen, die Gewährleistung ist inzwischen abgelaufen.
Auf Deutsch: die Sicherheitskultur des Unternehmens war unter aller Sau.
Heute die erneute Hiobsbotschaft, die neuen Züge haben weitere Mängel und müssen schon wieder stillgelegt werden. Morgen wird so gut wie nichts fahren. Bremszylinder kaputt. Aber eigentlich ist die S-Bahn kaputt. Der neue S-Bahnchef (die alte Führungsriege wurde auf öffentlichen Druck hin versetzt) sagt selbst, dass das Problem nicht in der Konstruktion liegt sondern durch Wartungsmängel verursacht wurde.
Ab morgen wird es in Berlin zum zweiten Mal in diesem Jahr zum völligen Verkehrschaos kommen. Diesmal nach der Urlaubszeit. In der Stadt, die bis zum Sommer dieses Jahres ein fast perfektes Nahverkehrsnetz hatte.
Die alte Führung der S-Bahn Berlin hat ihre Passagiere einem großen Sicherheitsrisiko ausgesetzt. Ob wissentlich oder unwissentlich sollte geklärt werden.
Ich werden morgen notfalls von zu Hause aus arbeiten. Nachdem man in den letzten Wochen ein wenig Licht am Ende des Tunnels gesehen hat ist jetzt wieder alles auf Null gesetzt. Und ein Wunder (vom Himmel fallende und funktionierende S-Bahnen) ist leider nicht zu erwarten. Hoffen wir, dass es irgendwann wieder voran geht. Und irgendwann nicht im Sinne von “nächstes Jahr”.


